Die zweite ungarische Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik (SPI) konzentriert sich auf Wasserressourcen und untersucht, wie eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung erreicht werden kann, indem Landwirte ermutigt werden, sich an kollektiven Praktiken der Wasserbewirtschaftung zu beteiligen. Dieses SPI läuft parallel zum ungarischen Teil des Fallstudien-Clusters zu Wasserressourcen und trägt zu diesem bei. Hier werden die Verhaltensfaktoren untersucht, die das Denken der Mitglieder der Wasserbewirtschaftungsgemeinschaft in Bezug auf integrierte, landschaftsbasierte und kollektive Wasserbewirtschaftungsinitiativen prägen und diese unterstützen.
Im Rahmen des VISIONARY-Projekts organisiert der AKI mindestens drei SPI-Workshops in Ungarn. Der Prozess beginnt mit der Rekrutierung der Teilnehmer Anfang 2023. Dank der guten Verbindungen des AKI zu politischen Entscheidungsträgern, Forschern und Landwirten bringen die Workshops ein breites Spektrum an Fachwissen zusammen. Zu den Teilnehmern gehören Wasseringenieure, Vertreter zentraler Behörden und zivilgesellschaftlicher Organisationen, politische Entscheidungsträger, Forscher, Landwirte und Gemeindemitglieder. Sie widmen ihre Zeit den ersten beiden Workshops, die im Juli 2023 und September 2024 stattfinden.
Im ersten Workshop wird das Entwicklungspotenzial der Wasserwirtschaft in Ungarn im Rahmen einer Foresight-Übung untersucht. Ein zentrales Ergebnis der Diskussion ist, dass die Umsetzung einer nachhaltigen Wasserbewirtschaftung nach wie vor schwierig ist, weil es keine gemeinsame „Wasser-Vision“ gibt, die alle Interessengruppen vereint – von den nationalen Behörden bis zu den lokalen Akteuren. Diese fehlende Vision spiegelt sich in der Zersplitterung der zentralen Wasserbewirtschaftung und dem Fehlen einer gemeinsamen Basis zwischen Landwirten, Wasserwirtschaftsbehörden und Umweltschützern auf lokaler Ebene wider. Die Teilnehmer stellen außerdem fest, dass freiwillige nachhaltige Wasserbewirtschaftungsgemeinschaften zwar eine wertvolle Initiative sind, ihre Umsetzung aber noch nicht den vollen ökologischen Nutzen bringt, den man sich von einem Bottom-up-Ansatz im Einzugsgebiet verspricht.
Während des zweiten Workshops diskutieren die Teilnehmer weiter über die Schwachstellen, die den Übergang zu einer nachhaltigen Wasserbewirtschaftung verlangsamen. Neben dem häufig genannten Problem der zersplitterten Verwaltung schenken sie den Unsicherheiten im Zusammenhang mit den Eigentumsverhältnissen und der Nutzung von Land- und Wasserwirtschaftsinfrastrukturen besondere Aufmerksamkeit. Diese Ungewissheiten stellen oft das größte Hindernis für jede Art von Intervention dar, ob individuell oder kollektiv. Die Teilnehmer sind sich einig, dass ohne groß angelegte, koordinierte, landschaftsübergreifende Interventionen systemische Veränderungen unerreichbar bleiben werden. Ebenso ist es für lokale und horizontale Kooperationen ohne einen geeigneten Ausgleichsrahmen schwierig, Fuß zu fassen.
Während sich das VISIONARY-Projekt seinem Ende nähert, schließt das AKI-Team seine Fallstudie ab, in der die Präferenzen der ungarischen Mitglieder der Wasserwirtschaft in Bezug auf kollaborative Ansätze zur Bewirtschaftung der Wasserressourcen untersucht werden. In der letzten Runde der VISIONARY SPI-Workshops haben die Teilnehmer die Möglichkeit, die Ergebnisse zu überprüfen und zu validieren und die praktischsten politischen Empfehlungen für die Zukunft mitzugestalten.